Die Mängel des Versorgungsverstärkungsgesetzes

Die Mängel des Versorgungsverstärkungsgesetzes

Wie wir bereits berichtet haben und wie es schon länger in den Medien Thema ist, wollen SPD und Union ab 2016 eine zentrale Servicestelle einrichten, die bei langen Wartezeiten auf einen Termin beim Facharzt Abhilfe leisten soll. Kein deutscher Bürger soll ab 2016 länger als vier Wochen auf einen Facharzttermin warten müssen. Auch wenn Deutschland mit seinen Wartezeiten noch immer ein positives Beispiel ist, kommt für manche Menschen und das betrifft vor allem gesetzlich Versicherte, jede Hilfe zu spät. Dieses Thema regte auch vor einigen Tagen bei Günther Jauch zu hitzigen Diskussionen unter den Anwesenden an.

Das Versorgungsverstärkungsgesetz

Das Versorgungsverstärkungsgesetz soll den Deutschen schnellere Arzttermine und kürzere Wartezeiten verschaffen. Weiterhin hat sich die Bundesregierung auf die Fahnen geschrieben neue Anreize dafür zu schaffen, dass Ärzte verstärkt in ländliche Regionen ziehen und dort Praxen eröffnen, damit Facharztengpässe auf diese Weise behoben werden können. Doch auch aus Medizinerkreisen wird Kritik laut.

Ein anwesender Notfallmediziner aus der Runde bei Jauch konstatiert beispielsweise, dass viele Menschen schlichtweg wegen Bagatellen zum Arzt gehen, weil der Gesundheitssystem suggeriere, dass jede medizinische Maßnahme zu jeder Zeit verfügbar sei. Die Patienten seien daher nicht die Schuldigen, sondern vielmehr das System. Es sei schlichtweg nicht möglich jedem Menschen immer und sofort einen Facharzttermin zu ermöglichen. Weiterhin wird sich im Verlauf der nächsten Jahre ein herber Engpass ereignen, da etwa ein Viertel der behandelnden Fachärzte bereits über 60 Jahre alt ist und nicht genug Ärzte nach rutschen, um diesen Engpass aufzuheben. Kann eine Servicestelle da wirklich dem Engpass entgegen wirken?

Sicherheit und Unsicherheit beim Arztbesuch

Ein wichtiger Aspekt wurde ebenfalls in der Runde um Günther Jauch genannt: die Unsicherheit. Viele Menschen sind bereits durch kleine Verletzungen in Folge von sportlichen Betätigungen oder aufgrund anderer Symptome verunsichert. Nicht selten suchen sie dann einen bekannten Arzt auf, der möglicherweise die ganze Familie behandelt oder aus anderen Gründen als vertrauter und kompetenter Mediziner angesehen wird.

Die Servicestelle setzt natürlich an einem wichtigen Punkt an, nämlich bei der zeitnahen Vermittlung von Terminen. Doch diese nehmen keine Rücksicht auf die Person des Arztes und auch die Entfernung zur Praxis wird nur in kleinen Teilen berücksichtig. Man könnte von Luxusproblemen sprechen, doch besonders für ältere Menschen ist es sehr wichtig den Arzt ihres Vertrauens um sich zu haben.

Die Studie der Bertelsmann Stiftung zur Qualität eines Arztbesuches

Auch die Bertelsmann Stiftung fragte im Rahmen einer Bevölkerungsumfrage nach der Zufriedenheit von Patienten, was die hausärztliche Versorgung betrifft. Versorgungsqualität ist in diesem Zusammenhang nicht bloß mit der Fachkompetenz des behandelnden Arztes gleich zu setzen, sondern speist sich ebenso auf der Terminkoordinierung der Praxis, den sonstigen Angestellten und vielen weiteren Aspekten. Da sich der Wohlfühlgrad eines Patienten unweigerlich auf den Therapieerfolg auswirkt, ist es höchst wichtig diesen Aspekt in die Überlegungen bezüglich einer zentralen Terminvergabe mit ein zu beziehen.

Die Ergebnisse der representativen Umfrage

Die Ergebnisse zeigen, dass rund zwei Drittel der Befragten mit den Wartezeiten und der Gesprächsdauer während eines Arzttermins zufrieden sind. Lediglich sieben Prozent beklagen die lange Wartezeit. Hinsichtlich der Prozessqualität hat die Bertelsmann-Stiftung drei wichtige Merkmale heraus gearbeitet, die Qualität sichern oder bei Nichtbeachtung verhindern: die Kommunikation und Information in der Arztpraxis, Erfahrungen in Situationen, die eine partizipative Entscheidungsfindung anraten lassen und Probleme bei der Kooperation mit Fachärzten und bei der Koordination der Behandlung tragen maßgeblich zur Qualität einer Behandlung ein respektive verhindern sie.

Das Urteil der Befragten fiel auch in dieser Hinsicht sehr positiv aus, allerdings fühlen sich viele Patienten nicht oder zu wenig in den Behandlungsablauf eingebunden, was sie als Nachteil empfinden. Die Kommunikation zwischen Arzt und Patient steht der Studie zufolge noch immer im Vordergrund, auch gegenüber den Wartezeiten auf einen Termin.

Fraglich bleibt daher, ob die zentrale Servicestelle, die zwar regional eingerichtet werden soll, aber eben doch nicht den Fokus auf persönliche Kommunikation setzt, wirklich effektiv zur Erlebnisqualität der Betroffenen beitragen kann. Für Notfälle kann sie sich sicherlich als sinnvoll erweisen. Ob sie langfristig das Problem an der Wurzel packt, bleibt leider weiterhin fraglich. Wir sind schließlich immer noch Menschen, die uns vor allem in medizinischen Belangen sicher fühlen wollen, daher ist ein gutes Verhältnis zum Arzt unerlässlich.

 

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