Wenn sich das Baby in den Schlaf weint
Im Jahr 1998 erschien ein Buch auf dem deutschen Markt, welches seither die Gemüter spaltet. Der Titel verspricht, „Jedes Kind kann schlafen lernen“. Mithilfe eines Konzepts der Verhaltensbiologie soll den Eltern und ihren Kindern ein ruhiger Schlaf garantiert werden.
Im Internet finden sich ganz unterschiedliche Rezensionen zu besagtem Buch. Einige Eltern schwören auf die darin vertretenen Theorien, andere wiederum halten sie für gefährlich und befürchten bleibende Schäden bei den Kindern. Das Konzept des Buches beruht darauf, Babys ab sechs Monate von alleine einschlafen zu lassen, damit sie ihren eigenen Tag und Nacht Rhythmus finden und somit durchschlafen können. Den Eltern wird daher geraten, ihr Kind abends ins Bett zu bringen und es anschließend allein im Zimmer zu lassen. Zwar ist es erlaubt, nach dem Kleinen zu schauen, doch Hilfsmittel wie Schnuller oder Fläschchen sowie Singen oder Herumtragen sind verboten.
Die Ferber-Methode
Der Wissenschaftler Richard Ferber von der Harvard University in Boston entwickelte diese Theorie, nach der Kinder selbstständig einschlafen lernen sollen. Sein deutscher Kollege Hartmut Morgenroth begleitete die Untersuchungen im Schlaflabor und veröffentlichte später mit einer Kollegin aus dem Bereich der Psychologie das beschrieben Buch. Eine australische Studie belegte anschließend, dass Ferbers Methode ungefährlich sei und effektiv dazu beitrage, den Schlafrhythmus der Babys zu verbessern. Einige Experten halten diese Ergebnisse jedoch für fragwürdig und bemängeln zudem die fehlende Aussagekraft der erfassten Daten.
Der deutsche Kinderarzt Dr. Herbert Renz-Polster beispielsweise berichtet, dass die vorgenommenen Cortisol-Messungen im Speichel der Babys sowie die zu Rate gezogenen Tagebucheinträge der Eltern der australischen Forscher wenig aussagekräftig und teilweise widersprüchlich seien. Außerdem wurden nur Kinder untersucht, welche bereits an Schlafstörungen leiden, wie sich die Methode jedoch auf normale Babys auswirke, bleibe weiter unklar. Der Experte hält Schlafprogramme grundsätzlich für gefährlich und ungeeignet. Auch Dr. Michael Abou-Dakn vom Berliner St. Joseph Krankenhaus hält daran fest, dass die Nähe der Eltern für Babys sehr wichtig sei hinsichtlich ihrer Entwicklung und Sicherheit.
Zeit wirkt meist Wunder
Zahlreiche weitere Studien haben Ferbers Theorie zwar durchaus belegt. Nichtsdestotrotz bleibt fraglich, welche Folgen sich daraus im späteren Leben der Kleinen ergeben können. Sogar Ferber selbst bestätigte ein paar Jahre nach der Veröffentlichung seines Konzepts, dass Eltern diese Methode nur unter der Voraussetzung anwenden sollten, dass sie sich damit gut fühlen. Natürlich sollten sich Eltern Hilfe suchen, wenn das Schlafdefizit zur gesundheitlichen Beeinträchtigung wird und der Stress droht Überhand zu nehmen. Doch auch die Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin mahnt zur Vorsicht bei Ferbers Methode. Gestresste und überforderte Eltern können sich hierzulande ebenfalls an diverse Erziehungsberatungsstellen oder die sogenannte Schlafambulanz wenden.
Dr. Renz-Polster sieht die Ängste der Eltern oft darin begründet, dass sie zu früh damit beginnen wollen ihren Kindern Selbstständigkeit beizubringen. Dabei führe Zuneigung und das Eingehen auf die Bedürfnisse der Babys so gut wie immer ans selbe Ziel. Durch andere Eltern, deren Kinder durchschlafen, werden zudem oft unrealistische Erwartungen heraufbeschworen. In den meisten Fällen regeln sich Schlafprobleme ganz einfach mit der Zeit. Dies ist wohl kein Trost für gestresste Eltern, doch Schlafprogramme sollten nur als letzte Lösung in Betracht gezogen werden, rät Dr. Barbara Schneider, Expertin für Schlafmedizin am Kinderkrankenhaus in Landshut.
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