{"id":1021,"date":"2012-11-07T14:05:04","date_gmt":"2012-11-07T12:05:04","guid":{"rendered":"http:\/\/gesundheitsberatung.com\/psychologie\/?p=1021"},"modified":"2023-06-03T20:15:06","modified_gmt":"2023-06-03T18:15:06","slug":"essstoerungen-im-spiegel-der-zeit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/gesundheitsberatung.com\/psychologie\/krankheitsbilder\/essstoerungen-im-spiegel-der-zeit\/","title":{"rendered":"Essst\u00f6rungen im Spiegel der Zeit"},"content":{"rendered":"<p><strong>Essst\u00f6rungen<\/strong> werden zu den Zivilisationskrankheiten gez\u00e4hlt. Eine Essst\u00f6rung wird definiert als Verhaltensst\u00f6rung mit meist ernsthaften und langfristigen Gesundheitssch\u00e4den. Der Betroffene besch\u00e4ftigt sich st\u00e4ndig gedanklich und emotional mit dem Thema \u201eEssen\u201c. Essst\u00f6rungen betreffen die Nahrungsaufnahme oder deren Verweigerung und h\u00e4ngen oft mit psychosozialen St\u00f6rungen oder mit der Einstellung zum eigenen K\u00f6rper zusammen.<\/p>\n<h3>Medizinisch gesehen eine St\u00f6rung der Energiebilanz<\/h3>\n<p>zu hohe Energiezufuhr bei zu geringem Energieverbrauch f\u00fchrt zu \u00dcbergewicht, zu geringe Energiezufuhr bei zu hohem Energieverbrauch f\u00fchrt zu Mangelern\u00e4hrung, falsche Ern\u00e4hrung f\u00fchrt zu Vitaminmangel, Mineralmangel und St\u00f6rung des Elektrolythaushalts im K\u00f6rper.\u00a0Physiologische Regelmechanismen k\u00f6nnen den Energieumsatz des K\u00f6rpers \u00fcber einen gewissen Zeitraum und in begrenzten Ausma\u00dfen an das Energieangebot anpassen. Im Falle des Energiemangels werden Stoffwechselregulationen eingesetzt, um z.B. vorhandene Energievorr\u00e4te wirkungsvoller auszunutzen und Energie einzusparen.<\/p>\n<p>Die einzelnen St\u00f6rungen sind nicht klar gegeneinander abgrenzbar. Oft wechseln die Betroffenen von einer Form zur anderen, die Merkmale gehen ineinander \u00fcber und vermischen sich. Bei allen chronisch gewordenen Essst\u00f6rungen sind lebensgef\u00e4hrliche k\u00f6rperliche Sch\u00e4den m\u00f6glich (z.B. Unterern\u00e4hrung, Mangelern\u00e4hrung, Fettleibigkeit). Frauen sind verst\u00e4rkt betroffen. Bei ihnen treten auch St\u00f6rungen im Menstruationszyklus auf, bis zum totalen Aussetzen der Menstruation (Amenorrhoe). Die \u00dcberg\u00e4nge zwischen \u201enormal\u201c und \u201ekrankhaft\u201c sind von vielen Faktoren abh\u00e4ngig. Ein Mensch, der aus religi\u00f6sen (z.B. Ramadan) oder ideologischen Gr\u00fcnden besondere Ern\u00e4hrungsformen pflegt, ist nicht unbedingt essgest\u00f6rt. Manche Esss\u00fcchtige sind k\u00f6rperlich und in ihrem Verhalten v\u00f6llig unauff\u00e4llig \u2013 die Sucht spielt sich bei ihnen ausschlie\u00dflich im Kopf ab.<\/p>\n<h3>Esssucht<\/h3>\n<p>Esss\u00fcchtige essen zwanghaft und denken dauernd an \u201eEssen\u201c und an die Folgen f\u00fcr ihren K\u00f6rper. Sie essen entweder zu viel oder kontrollieren ihr Gewicht mit komplizierten Systemen von Essen, Di\u00e4ten, Fasten und Bewegung. Esssucht f\u00fchrt h\u00e4ufig zu \u00dcbergewicht oder Fettleibigkeit mit den zugeh\u00f6rigen gesundheitlichen und sozialen Problemen. \u00dcbergewichtige f\u00fchlen sich als Versager und Au\u00dfenseiter. Fehlern\u00e4hrung kann zu zus\u00e4tzlichen Problemen f\u00fchren.<\/p>\n<h3>\u00dcbersicht der verschiedenen Essst\u00f6rungen<\/h3>\n<h3>Magersucht<\/h3>\n<p>Die Magersucht (Anorexia nervosa) ist durch einen absichtlich und selbst herbeigef\u00fchrten Gewichtsverlust gekennzeichnet. Durch Hungern und Kalorienz\u00e4hlen wird versucht, dem K\u00f6rper m\u00f6glichst wenig Nahrung zuzuf\u00fchren, durch k\u00f6rperliche Aktivit\u00e4ten soll der Energieverbrauch gesteigert werden. Die betroffene Person sieht dabei den eigenen k\u00f6rperlichen Zustand h\u00e4ufig nicht, sie empfindet sich als zu dick, auch noch mit extremem Untergewicht (K\u00f6rperschemast\u00f6rung).<\/p>\n<p>Folgen der Magersucht sind Unterern\u00e4hrung, Muskelschwund und Mangelern\u00e4hrung. Langzeitfolgen sind u.a. Osteoporose und Unfruchtbarkeit. 5-15 % der Betroffenen sterben, jedoch meist nicht durch eigentliches Verhungern, sondern durch Infektionen des geschw\u00e4chten K\u00f6rpers oder durch Suizid.<\/p>\n<h3>Ess-Brech-Sucht<\/h3>\n<p>Bei der Ess-Brech-Sucht (Bulimie, Bulimia nervosa) sind die Betroffenen meist normalgewichtig, haben aber gro\u00dfe Angst vor Gewichtszunahme, dem \u201eDickwerden\u201c. Deshalb ergreifen sie ungesunde Gegenma\u00dfnahmen wie Erbrechen, exzessiven Sport, Abf\u00fchrmittelgebrauch, Fasten oder Einl\u00e4ufe. Dadurch ger\u00e4t der K\u00f6rper in einen Mangelzustand und es kommt zu sog. Essattacken, wobei gro\u00dfe Mengen Nahrung auf einmal verzehrt werden.<\/p>\n<p>Neben diesen Hei\u00dfhunger bedingten Fressattacken gibt es auch stressbedingte. Das \u00dcberessen und Erbrechen wird h\u00e4ufig als entspannend erlebt. Die Ess-Brech-Sucht kann zu St\u00f6rungen des Elektrolyt-Stoffwechsels, Entz\u00fcndungen der Speiser\u00f6hre, Zahnsch\u00e4den sowie zu Mangelerscheinungen f\u00fchren. Da durch einen gest\u00f6rten Elektrolythaushalt das Herz angegriffen wird, kann es sogar zu Herzversagen und folglich zum Tod kommen, insbesondere wenn die Ess-Brech-Sucht noch mit Untergewicht einher geht.<\/p>\n<h3>Binge Eating Disorder (BED)<\/h3>\n<p>Fressattacken treten im Zusammenhang mit suchtartigen Hei\u00dfhungergef\u00fchlen auf. Von Binge Eating wird gesprochen, wenn w\u00e4hrend mindestens sechs Monaten an mindestens zwei Tagen pro Woche ein Anfall von Hei\u00dfhunger auftritt, bei dem in k\u00fcrzester Zeit ungew\u00f6hnlich gro\u00dfe Mengen Nahrungsmittel aufgenommen werden. Der Betroffene verliert die Kontrolle \u00fcber die Nahrungsaufnahme. <strong>Au\u00dferdem m\u00fcssen mindestens drei der folgenden Diagnosekriterien zutreffen:<\/strong><\/p>\n<ul>\n<li>essen, ohne hungrig zu sein<\/li>\n<li>besonders schnelles Essen<\/li>\n<li>essen, bis ein unangenehmes Gef\u00fchl einsetzt<\/li>\n<li>allein essen, um Gef\u00fchle von Schuld und Scham zu vermeiden<\/li>\n<li>die Essanf\u00e4lle werden als belastend empfunden<\/li>\n<li>nach dem Essanfall Gef\u00fchle von Ekel, Scham oder Depressionen<\/li>\n<\/ul>\n<p>Obwohl die Essattacken jeweils nur kurz dauern, kann die Binge Eating Disorder zu Adipositas f\u00fchren. Von der Bulimie unterscheidet sich BED durch ausbleibende Ma\u00dfnahmen, eine Gewichtszunahme durch Erbrechen, Intensivsport oder Fasten zu verhindern.<\/p>\n<h3>Pica-Syndrom<\/h3>\n<p>Ein psychiatrisches Symptom, das sich auch bei Menschen mit geistiger Behinderung oder Demenz zeigen kann. Die St\u00f6rung ist eher selten und keine Essst\u00f6rung im eigentlichen Sinne. Menschen essen dabei ungew\u00f6hnliche Dinge, z.B. farbige Papierschnipsel, Gartenerde, Ton, Tafelkreide oder Kot. Dies kann zu Vergiftungen, Unterern\u00e4hrung und Verstopfung f\u00fchren.<\/p>\n<h3>Orthorexia nervosa<\/h3>\n<p>Krankhaftes Gesund-Essen. Betroffene verbringen mehrere Stunden t\u00e4glich damit, zwanghaft Vitamingehalt und N\u00e4hrwerte zu berechnen und Lebensmittel auszuw\u00e4hlen, wobei sich die Auswahl der \u201eerlaubten\u201c Lebensmittel immer weiter verringert. Folgen sind Unterern\u00e4hrung, Mangelern\u00e4hrung und soziale Isolation. Die Betroffenen haben Angst vor den Lebensmitteln, die sie f\u00fcr ungesund halten. Orthorexia nervosa zeigt auch Merkmale einer Wahn- oder Zwangsst\u00f6rung.<\/p>\n<h3>Anorexia athletica<\/h3>\n<p>Durch \u00fcberm\u00e4\u00dfigen Sport und damit verbundenen Kalorienverbrauch versuchen die Erkrankten, Gewicht zu verlieren. Diese St\u00f6rung ist auch als \u201eSportsucht\u201c bekannt. Seit den 1980er Jahren wird vom geh\u00e4uften Auftreten dieser St\u00f6rung bei Leistungssportlern berichtet. Charakteristisch ist eine zu geringe Zufuhr an Kalorien, die zu schweren Gesundheitsproblemen f\u00fchrt, u.a. Abnahme der Knochendichte, Knochenbr\u00fcche und Amenorrhoe.<\/p>\n<h3>Therapie von Essst\u00f6rungen<\/h3>\n<p>Erfolgreiche Behandlungen gehen von einem multimodalen Ansatz aus, d.h. es werden unterschiedliche Behandlungsstrategien gleichzeitig eingesetzt. Im Zentrum steht die Psychotherapie (kognitive oder psycho-dynamische Therapien). Bei manchen Essst\u00f6rungen haben sich familientherapeutische Behandlungsprogramme als ebenso sinnvoll erwiesen. Bei Kindern und Jugendlichen ist eine Beratung und Psychoedukation der Eltern immer notwendig. Gleichzeitig kann ein Ern\u00e4hrungsprotokoll gef\u00fchrt werden.<\/p>\n<p>Bei bestimmten Essst\u00f6rungen ist regelm\u00e4\u00dfiges Wiegen notwendig sowie Unterst\u00fctzung bei einer ausgewogenen Ern\u00e4hrung. Medikament\u00f6se Therapie (Antidepressiva) kann in manchen F\u00e4llen (Anorexie oder Bulimie) hilfreich sein, ebenso die Vermittlung von Therapiepro-grammen in Selbsthilfegruppen. Wenn die ambulante Behandlung keinen Erfolg bringt, ist eine station\u00e4re oder zumindest teilstation\u00e4re Behandlung erforderlich. Insbesondere bei Anorexie ist eine station\u00e4re Behandlung als lebenserhaltende Ma\u00dfnahme notwendig, wenn ein kritisches Untergewicht erreicht ist, auch, wenn k\u00f6rperliche Folgesch\u00e4den zu erwarten sind, z.B. bei zu geringer Fl\u00fcssigkeitszufuhr oder h\u00e4ufigem Erbrechen.<\/p>\n<h3>Diagnostik<\/h3>\n<p>Die Diagnostik der Essst\u00f6rung erfolgt durch Befragung des Patienten und \u00fcber Frageb\u00f6gen. Unter-, \u00dcbergewicht und Adipositas werden mit dem Body-Mass-Index und anderen Kennzahlen gemessen.<\/p>\n<h3>Body-Mass-Index<\/h3>\n<p>Der Body-Mass-Index (BMI) ist eine Ma\u00dfzahl f\u00fcr die Bewertung des K\u00f6rpergewichts eines Menschen. Da \u00dcbergewicht ein weltweit zunehmendes Problem darstellt, wird die K\u00f6rpermassenzahl v.a. dazu verwendet, auf eine diesbez\u00fcgliche Gef\u00e4hrdung hinzuweisen.<\/p>\n<h3>Der BMI wird folgenderma\u00dfen berechnet<\/h3>\n<p><em>BMI = m \u00f7 l\u00b2<\/em> m steht f\u00fcr das K\u00f6rpergewicht in Kilogramm, l gibt die K\u00f6rpergr\u00f6\u00dfe in Metern an.<\/p>\n<h3>Beispiele<\/h3>\n<p><strong>Frau, 56 kg, 1,70 m.<\/strong> Wir rechnen: <em>56 \u00f7 (1,7 x 1,7) = BMI 19,38<\/em> <strong>Mann, 78 kg, 1,76 m.<\/strong> Also: <em>78 \u00f7 (1,76 x 1,76 ) = BMI 25,18<\/em><\/p>\n<h3>Interpretation des Body-Mass-Index<\/h3>\n<p>BMI-Werte normalgewichtiger Personen liegen laut WHO-Adipositas-Klassifikation zwischen 18,50 und 24,99 \u2013 ab einer K\u00f6rpermassenzahl von 30 gelten die \u00fcbergewichtigen Personen als behandlungsbed\u00fcrftig.<\/p>\n<h3>H\u00e4ufigkeit und Folgen von Essst\u00f6rungen<\/h3>\n<p><strong>Hier einige Zahlen f\u00fcr Deutschland:<\/strong><\/p>\n<ul>\n<li>Magersucht: Etwa 140.000 Menschen sind betroffen. 90 % davon sind Frauen zwischen 15 und 35 Jahren, 10 % M\u00e4nner.<\/li>\n<li>Ess-Brech-Sucht: Etwa 700.000 Menschen sind betroffen.<\/li>\n<li>Binge Eating Disorder: Etwa 3,2 Millionen der Bev\u00f6lkerung sind betroffen, sie ist die h\u00e4ufigste Essst\u00f6rung.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Eine aktuelle Studie des Robert Koch-Instituts mit \u00fcber 17.000 Teilnehmern zwischen 11 und 17 Jahren zeigte bei fast 30 % der M\u00e4dchen Essst\u00f6rungen wie Magersucht, Ess-Brech-Sucht oder Fettsucht. Bei Jungen waren 15 % betroffen. Au\u00dferdem waren Kinder aus sozial benachteiligten Familien fast doppelt so h\u00e4ufig betroffen wie Kinder aus den oberen sozialen Schichten. In einer \u00f6sterreichischen Studie \u00fcber Essst\u00f6rungen bei Models fand sich eine Pr\u00e4valenzrate essgest\u00f6rten Verhaltens von 19 % der befragten Personen, \u00fcber 40 % waren zum Untersuchungszeitpunkt auf Di\u00e4t.<\/p>\n<p>Adipositas stellt ein weltweit zunehmendes Problem dar. So sprechen die Weltgesundheitsorganisation WHO und die CDC inzwischen von einer globalen Epidemie bzw. Pandemie, die ebenso ernst genommen werden sollte wie jede zum Tod f\u00fchrende Infektionskrankheit. Weltweit leben laut WHO rund 1,3 Milliarden Menschen mit starkem \u00dcbergewicht. Sollte sich dieser Trend fortsetzen, wird die Zahl der \u00fcbergewichtigen Menschen innerhalb der n\u00e4chsten zehn Jahre auf 1,9 Milliarden ansteigen.<\/p>\n<h3>DIE GROSSEN III<\/h3>\n<h3>I. DIE MAGERSUCHT<\/h3>\n<p><strong>Definition<\/strong> Magersucht (Anorexia nervosa) ist eine Essst\u00f6rung, bei der die Betroffenen ein nicht dem Alter und der Statur entsprechendes minimales K\u00f6rpergewicht anstreben. Die Wahrnehmung von Figur, Gewicht und Aussehen ist gest\u00f6rt, es besteht Angst vor Gewichtszunahme. Die Gefahren, die sich aus dieser Situation ergeben, werden verleugnet. Hinzu kommen h\u00e4ufig soziale Isolation und Depressionen. <strong>Auftreten<\/strong> und H\u00e4ufigkeit Magersucht ist eine psychosomatisch bedingte Essst\u00f6rung. Frauen sind deutlich h\u00e4ufiger betroffen als M\u00e4nner.<\/p>\n<p>Der Beginn der Anorexie liegt i.d.R. zwischen dem 14. und 25. Lebensjahr. <strong>Ursachen<\/strong> Vor allem das in den westlichen Industrienationen geltende Sch\u00f6nheitsideal hat einen gro\u00dfen Einfluss auf die Krankheitsentstehung. Dabei wird Schlankheit immer wieder mit Attraktivit\u00e4t, beruflichem und privatem Erfolg assoziiert. Durch die Medien wird dieses Bild weiter gef\u00f6rdert. Dies f\u00fchrt dazu, dass vor allem M\u00e4dchen mangelndes Selbstwertgef\u00fchl durch \u00fcbertriebenen Schlankheitswahn kompensieren wollen. <strong>Diagnose<\/strong> F\u00fcr die Diagnose \u201eAnorexia nervosa\u201c reicht Untergewicht allein nicht aus. Zun\u00e4chst m\u00fcssen alle organischen Ursachen ausgeschlossen werden (u.a. Schilddr\u00fcsen\u00fcberfunktion, Diabetes mellitus Typ 1, Malabsorptionssyndrom etc.).<\/p>\n<h4>Diagnostische Kriterien der Anorexia nervosa (DSM-IV)<\/h4>\n<h5>Untergewicht:<\/h5>\n<ul>\n<li>Gewicht wird absichtlich unterhalb des normalen Bereichs gehalten<\/li>\n<li>Furcht vor Gewichtszunahme<strong>\u00a0<\/strong>(trotz bestehendem Untergewicht)<\/li>\n<li>Verzerrte K\u00f6rperwahrnehmung: Patienten f\u00fchlen sich oder einen bestimmten Teil ihres K\u00f6rpers zu dick (trotz bestehendem Untergewicht)<\/li>\n<li>Amenorrh\u00f6 (bei Frauen):<strong>\u00a0<\/strong>Ausbleiben von mindestens drei aufeinanderfolgenden Menstruationszyklen<\/li>\n<\/ul>\n<h3>Subtyp<\/h3>\n<ul>\n<li><strong>Restrikitver Typ: <\/strong>Keine regelm\u00e4\u00dfigen Essanf\u00e4lle und kein abf\u00fchrendes Verhalten<\/li>\n<li><strong>Bulimischer Typ:<\/strong>\u00a0Regelm\u00e4\u00dfige Essanf\u00e4lle und regelm\u00e4\u00dfig abf\u00fchrendes Verhalten<\/li>\n<\/ul>\n<h3>Auswirkungen auf den K\u00f6rper<\/h3>\n<p><strong>Kaliummangel:<\/strong> Krankhaftes Untergewicht hat vielf\u00e4ltige und gravierende Auswirkungen auf den menschlichen K\u00f6rper bis hin zu lebensbedrohlichen Komplikationen. Dazu z\u00e4hlt v.a. der durch Mangelern\u00e4hrung ausgel\u00f6ste Kaliummangel, der lebensgef\u00e4hrliche Herzrhythmusst\u00f6rungen zur Folge haben kann.<\/p>\n<p><strong>Blutarmut \/ \u00d6deme:<\/strong> Aufgrund einer Sch\u00e4digung des Knochenmarks kann eine An\u00e4mie entstehen. Durch die niedrige Eiwei\u00dfzufuhr mit der Nahrung kommt es zum Absinken des Albumins (Transportprotein). Bei einer verringerten Albuminkonzentration kann die im Blut enthaltene Fl\u00fcssigkeit nicht mehr ausreichend gebunden werden und lagert sich im Gewebe ab, es kommt zur \u00d6dembildung.<\/p>\n<p><strong>Verringerte \u00d6strogenproduktion:<\/strong> Nachlassende \u00d6strogenproduktion kann das Ausbleiben der Menstruation zur Folge haben. \u00d6strogene unterst\u00fctzen die Einlagerung von Calcium in die Knochenmatrix. Da dieser Vorgang im Kindes- und Jugendalter besonders wichtig und bis zum 30. Lebensjahr abgeschlossen ist, hat eine Amenorrh\u00f6 v.a. in diesem Lebensabschnitt eine geringere Knochendichte zur Folge, wodurch sich die Gefahr einer Osteoporose erh\u00f6ht.<\/p>\n<p><strong>Erh\u00f6hter Cortisolspiegel:<\/strong> Um den Blutzucker trotz der mangelnden Zufuhr von Kohlenhydraten konstant zu halten, muss Glucose aus anderen Substanzen (z.B. Ketonk\u00f6rper, bestimmte Aminos\u00e4uren) gebildet werden. Dies macht eine erh\u00f6hte Sekretion von Cortisol sowie anderen Hormonen notwendig. Ein dauerhaft erh\u00f6hter Cortisolspiegel kann zu Haarausfall, Hautver\u00e4nderungen und psychischen Erkrankungen f\u00fchren und beg\u00fcnstigt Osteoporose.<\/p>\n<p><strong>Unfruchtbarkeit:<\/strong> Durch eingeschr\u00e4nkte \u00d6strogenbildung kommt es zur St\u00f6rung der weiblichen Keimdr\u00fcsen. Die daraus resultierende Unfruchtbarkeit bleibt auch bei erfolgreicher Behandlung meist noch Monate bis Jahre bestehen, bis die Fruchtbarkeit wieder einsetzt.<\/p>\n<p><strong> Unterzuckerungen:<\/strong> Nach l\u00e4ngerer unzureichender Kohlenhydratzufuhr sind die k\u00f6rpereigenen Reserven aufgebraucht. Da die endogene Bildung von Glucose (Gluconeogenese) nur sehr langsam abl\u00e4uft, kann es in Kombination mit starker k\u00f6rperlicher Belastung zu Unterzuckerungen (Hypoglyk\u00e4mien) kommen, die \u2013 je nach Schweregrad \u2013 zur Bewusstlosigkeit und zu Hirnsch\u00e4den bis hin zum Tod f\u00fchren k\u00f6nnen.<strong><br \/>\n<\/strong><\/p>\n<h3>Therapie:\u00a0Psychotherapie<\/h3>\n<p>Die Grundlage f\u00fcr erfolgreiche Therapie der Magersucht stellt zun\u00e4chst die Einsicht des Patienten dar. Ohne diese sind die Prognosen \u00e4u\u00dfert ung\u00fcnstig und Therapieerfolge eher unwahrscheinlich. Ist eine Bereitschaft zur Therapie vorhanden, ist das oberste Ziel die Normalisierung des K\u00f6rpergewichts, wobei eine verhaltenstherapeutische Unterst\u00fctzung notwendig ist. Ein weiterer Bestandteil der psychologischen Betreuung stellt die Therapie der verzerrten K\u00f6rperwahrnehmung dar. Die St\u00e4rkung des Selbstwertgef\u00fchls ist ebenfalls von Bedeutung. Der Kontakt mit anderen Betroffenen und ehemaligen Anorektikern im Rahmen von Gruppentherapien wirkt sich h\u00e4ufig sehr positiv aus. Die Zusammenarbeit mit einem Psychologen \/ Heilpraktiker f\u00fcr Psychotherapie ist bei der Therapie unerl\u00e4sslich. Optimal ist eine station\u00e4re Behandlung in einer entsprechenden Einrichtung.<\/p>\n<h3>Ern\u00e4hrung<\/h3>\n<p>Neben der psychologischen Betreuung spielt die richtige Ern\u00e4hrung zur Normalisierung des K\u00f6rpergewichts eine wichtige Rolle. In schweren F\u00e4llen kann zun\u00e4chst eine k\u00fcnstliche Ern\u00e4hrung erforderlich sein. Wichtig ist anschlie\u00dfend eine langsame Steigerung der Nahrungsaufnahme, um Unvertr\u00e4glichkeiten zu vermeiden. Dabei sollten am Anfang nur Nahrungsmittel in leicht verwertbarer Form verabreicht werden. Aufgrund der Schleimhautsch\u00e4digungen und des Lactasemangels werden Milch und Milchprodukte anfangs h\u00e4ufig nicht vertragen.<\/p>\n<p>Im Anschluss daran erfolgt eine schrittweise Ann\u00e4herung an eine energiereiche Basiskost. Der Energiebedarf wird dabei so veranschlagt, dass f\u00fcr jeweils 10 kg Untergewicht ein Zuschlag von 20 % des normalen Tagesbedarfs empfohlen wird (2.500-3.000 kcal \/ Tag). Die Nahrung sollte auf mehrere Mahlzeiten (ca. sechs) am Tag verteilt werden und reich an Kohlenhydraten und Fetten sein. Der Proteinbedarf entspricht dem einer \u201enormalen\u201c Ern\u00e4hrung, liegt also bei etwa 15 % der Gesamtenergieaufnahme. Die Kost sollte vitamin- und mineralstoffreich, ausgewogen und abwechslungsreich sein. Zu meiden sind Lebensmittel, die energiearm, volumin\u00f6s oder bl\u00e4hend sind. <strong>Weniger geeignete Lebensmittel beim Kostaufbau:<\/strong><\/p>\n<ul>\n<li>H\u00fclsenfr\u00fcchte, Blattkohlsorten, Pilze<\/li>\n<li>Fleisch-, Fisch- und Wurstwaren mit hohem Anteil an sichtbarem Fett<\/li>\n<li>Mayonnaise, fettreiche Backwaren<\/li>\n<li>fettarme, proteinreiche Lebensmittel (z.B. Magermilchprodukte)<\/li>\n<li>stark kohlens\u00e4urehaltige Getr\u00e4nke<\/li>\n<\/ul>\n<p>Bei steigender Energiezufuhr kann auch mit leichter k\u00f6rperlicher Aktivit\u00e4t begonnen werden. Dies f\u00f6rdert das Herz-Kreislauf-System und das Muskelwachstum. Grunds\u00e4tzlich sollten die Speisen schmackhaft und appetitlich zubereitet und individuelle Bed\u00fcrfnisse dabei ber\u00fccksichtigt werden. Geringe Mengen Alkohol zur Steigerung des Appetits sind erlaubt. Bei bestehendem Untergewicht ohne vorliegende Essst\u00f6rung kann direkt (d.h. ohne Aufbaukost) mit energiereicher Kost begonnen werden.<\/p>\n<p>Eine Gewichtszunahme erreicht man generell durch eine positive Energiebilanz, d.h. wenn man dem K\u00f6rper mehr Energie zuf\u00fchrt als er verbraucht. Allerdings gibt es auch F\u00e4lle, bei denen eine energiereiche Ern\u00e4hrung zu keiner Gewichtszunahme f\u00fchrt (z.B. bei Schilddr\u00fcsen\u00fcberfunktion). Um solche F\u00e4lle auszuschlie\u00dfen, sollten Sie sich an einen Arzt oder Heilpraktiker wenden.<\/p>\n<h3>Sonstige medizinische Ma\u00dfnahmen<\/h3>\n<p>Aufgrund der gravierenden Folgen der unzureichenden \u00d6strogenproduktion wird der gezielte Einsatz von \u00d6strogenen, Gestagenen und Calcium im Rahmen der Osteoporoseprophylaxe diskutiert. Eine weitere medikament\u00f6se Therapie ist nicht erforderlich. Trotz der niedrigen Konzentration des Schilddr\u00fcsenhormons T3 (Trijodthyronin) ist eine Therapie mit Schilddr\u00fcsenhormonen nicht angezeigt. Eine Ausnahme stellt die Behandlung mit Antidepressiva dar, sofern eine begleitende depressive Erkrankung vorliegt.<\/p>\n<h3>II. DIE ESS-BRECH-SUCHT<\/h3>\n<h3>Definition<\/h3>\n<p>Ess-Brech-Sucht (Bulimia nervosa) ist eine Essst\u00f6rung, die durch den Wechsel von Fressanf\u00e4llen und Versuchen der Gewichtsreduktion gekennzeichnet ist. Charakteristisch ist der Kontrollverlust w\u00e4hrend der Hungerattacken, bei denen bis zu 20.000 kcal verschlungen werden. Die h\u00e4ufigsten Ma\u00dfnahmen, die unternommen werden, um die exzessive Nahrungs- und Energiezufuhr auszugleichen, sind Erbrechen und Missbrauch von Abf\u00fchrmitteln und Diuretika (purging-Typ) sowie andere unangemessene kompensatorische Verhaltensweisen wie Fasten oder exzessiver Sport (non-purging-Typ).<\/p>\n<p>Im Gegensatz zur Magersucht wird die Bedrohung durch die Krankheit wahrgenommen und der Zustand als unangenehm empfunden. Von der Bulimie k\u00f6nnen sowohl Unter- als auch \u00dcbergewichtige betroffen sein. Da sich viele Betroffene ihrer Krankheit sch\u00e4men, muss von einer relativ hohen Dunkelziffer ausgegangen werden. Sch\u00e4tzungen zufolge leiden etwa 3 % der jungen Frauen an Bulimie.<\/p>\n<h3>Diagnose<\/h3>\n<p>Bulimia nervosa weist zwar Gemeinsamkeiten mit der Anorexie auf (krankhafte Besch\u00e4ftigung mit dem eigenen K\u00f6rper), jedoch gibt es auch einige Unterschiede:<\/p>\n<h3>Diagnostische Kriterien der Bulimia nervosa (DSM-IV)<\/h3>\n<p><strong>Fressanf\u00e4lle<\/strong><\/p>\n<ul>\n<li>Wiederholte Fressattacken mit hastigem Herunterschlingen Kontrollverlust<\/li>\n<li>Die Betroffenen haben das Gef\u00fchl, nicht mit dem Essen aufh\u00f6ren zu k\u00f6nnen Kompensationsverhalten<\/li>\n<li>Um eine Gewichtszunahme zu vermeiden, erfolgen regelm\u00e4\u00dfig Ma\u00dfnahmen wie Erbrechen, Di\u00e4ten, \u00fcbertriebener Sport, Missbrauch von Abf\u00fchrmitteln und Diuretika H\u00e4ufigkeit der Fressanf\u00e4lle<\/li>\n<li>Mindestens zwei Fressanf\u00e4lle pro Woche \u00fcber einen Zeitraum von mehr als drei Monaten K\u00f6rperschema\u2028Andauernde, \u00fcbertriebene Besch\u00e4ftigung mit Figur und Gewicht St\u00f6rung<\/li>\n<li>Tritt nicht ausschlie\u00dflich w\u00e4hrend einer Phase der Anorexia nervosa auf<\/li>\n<\/ul>\n<h3>Subtyp<\/h3>\n<p><strong>Abf\u00fchrender Typ (purging-Typ)<\/strong><\/p>\n<ul>\n<li>\u2028Regelm\u00e4\u00dfig selbst herbeigef\u00fchrtes Erbrechen oder Missbrauch von Abf\u00fchrmitteln, Diuretika oder Einl\u00e4ufen Nicht-abf\u00fchrender Typ (non-purging-Typ)<\/li>\n<li>Anderes unangemessenes Kompensationsverhalten wie Fasten, exzessiver Sport, jedoch kein Erbrechen oder Missbrauch von Abf\u00fchrmitteln<\/li>\n<\/ul>\n<p>F\u00fcr die Diagnose ist eine ausf\u00fchrliche Anamnese erforderlich. H\u00e4ufig findet sich ein gez\u00fcgeltes, rein vom Kopf gesteuertes Essverhalten (restrained eating) in Kombination mit zahlreichen Di\u00e4ten. Viele Patienten essen morgens und mittags nichts oder nur sehr wenig, woraus abends unertr\u00e4glicher Hei\u00dfhunger resultiert. Dies hat zum einen physiologische Gr\u00fcnde. Durch den Abfall des Blutzuckerspiegels reagiert der K\u00f6rper mit Hunger. Zum anderen k\u00f6nnen auch psychologische Faktoren eine Rolle spielen. W\u00e4hrend die Patienten tags\u00fcber auf der Arbeit abgelenkt und in Gesellschaft sind, k\u00f6nnen Einsamkeit, Frust oder andere emotionale Belastungen dazu f\u00fchren, dass abends versucht wird, diese Probleme mit Fressattacken zu kompensieren.<\/p>\n<h3>Auswirkungen auf den K\u00f6rper<\/h3>\n<p><strong>Allgemein:<\/strong> Die negativen Auswirkungen der Bulimie sind sowohl auf die Fastenperioden als auch auf das bei dieser Erkrankung typische Verhalten zur\u00fcckzuf\u00fchren. Die hormonellen St\u00f6rungen \u00e4hneln in abgeschw\u00e4chter Form denen der Magersucht.<\/p>\n<p><strong> Kaliummangel:<\/strong> Der durch die Mangelern\u00e4hrung meist vorliegende Kaliummangel wird durch die Kaliumverluste verst\u00e4rkt, die durch das Erbrechen entstehen. Dies erh\u00f6ht weiter das Risiko lebensbedrohlicher Herzrhythmusst\u00f6rungen bis hin zum Herzstillstand.<\/p>\n<p><strong> Mundh\u00f6hle:<\/strong> Der Kontakt von Magens\u00e4ure mit der Mundh\u00f6hle hat ebenfalls negative Auswirkungen. Durch die S\u00e4ure wird der Zahnschmelz angegriffen und gesch\u00e4digt, was zu einer Entmineralisierung f\u00fchrt. Dennoch ist die Kariesh\u00e4ufigkeit nur leicht erh\u00f6ht, da die meisten Betroffenen anschlie\u00dfend ihre Z\u00e4hne putzen, um den unangenehmen Geschmack zu beseitigen. Das Eindringen von Magens\u00e4ure in die Speicheldr\u00fcsen kann Entz\u00fcndungen und Schwellungen hervorrufen.<\/p>\n<h3>Therapie<\/h3>\n<p>Bei der Therapie der Ess-Brech-Sucht steht zun\u00e4chst die Normalisierung des Essverhaltens im Vordergrund. F\u00fcr unterern\u00e4hrte Bulimiker gelten die unter dem Thema Anorexie aufgef\u00fchrten Ern\u00e4hrungsempfehlungen. Zur Ver\u00e4nderung des Essverhaltens ist verhaltenstherapeutische Unterst\u00fctzung von besonderer Bedeutung. Im Rahmen eines Esstrainings werden die normalen Verhaltensweisen einstudiert, ge\u00fcbt und durch entsprechende Aufkl\u00e4rungsma\u00dfnahmen unterst\u00fctzt (nutritional counselling).<\/p>\n<p>Nach der Normalisierung des Essverhaltens, was relativ wenig Zeit in Anspruch nimmt, gewinnt die Therapie der urs\u00e4chlichen Probleme an Bedeutung. Dazu z\u00e4hlen die gest\u00f6rte K\u00f6rperwahrnehmung, der Bezug zu Gewicht und Figur sowie die Stressbew\u00e4ltigung. Erst wenn die psychischen Probleme \u00fcberwunden sind, k\u00f6nnen R\u00fcckf\u00e4lle vermieden bzw. reduziert werden. Auch hier ist psychologische Unterst\u00fctzung erforderlich. Das Austauschen von Informationen mit Betroffenen kann ebenfalls sehr n\u00fctzlich sein. Hierf\u00fcr sind Selbsthilfegruppen geeignet, die es in jeder gr\u00f6\u00dferen Stadt gibt.<\/p>\n<h3>III. BINGE EATING DISORDER<\/h3>\n<h3>Definition<\/h3>\n<p>Bei der Binge Eating Disorder (BED) handelt es sich um einen relativ neuen Krankheitsbegriff, der sich mit \u201eEssattackenst\u00f6rung\u201c \u00fcbersetzen l\u00e4sst. Allerdings ist aber auch in Deutschland die Verwendung des angloamerikanischen Begriffs \u00fcblich. Der Begriff wurde zwar bereits 1959 gepr\u00e4gt, als eigenst\u00e4ndige Diagnose gibt es ihn in den USA jedoch erst seit 1994.<\/p>\n<h3>Diagnose<\/h3>\n<p>Binge Eating Disorder weist zwar Gemeinsamkeiten mit der Bulimie auf, jedoch gibt es auch einige Unterschiede<\/p>\n<h3>Diagnostische Kriterien der Binge Eating Disorder (DSM-IV)<\/h3>\n<p>Regelm\u00e4\u00dfige Essanf\u00e4lle mit folgenden Merkmalen:<\/p>\n<ul>\n<li>in einem abgrenzbaren Zeitraum wird eine Nahrungsmenge gegessen, die deutlich gr\u00f6\u00dfer ist als die Menge, die andere Menschen im selben Umfang unter den gleichen Umst\u00e4nden essen w\u00fcrden<\/li>\n<li>w\u00e4hrend des Essanfalls wird der Verlust der Kontrolle \u00fcber das Essen empfunden<\/li>\n<li>Die Essanf\u00e4lle sind mit mindestens drei der folgenden Merkmale verbunden:<\/li>\n<li>es wird wesentlich schneller gegessen als normal<\/li>\n<li>es wird gegessen, bis man sich unangenehm voll f\u00fchlt<\/li>\n<li>es werden gro\u00dfe Mengen gegessen, obwohl man sich k\u00f6rperlich nicht hungrig f\u00fchlt<\/li>\n<li>es wird allein gegessen, weil es einem peinlich ist<\/li>\n<li>man f\u00fchlt sich von sich selbst angeekelt, depressiv oder sehr schuldig nach dem \u00dcberessen<\/li>\n<\/ul>\n<h3>Seelisches Befinden<\/h3>\n<ul>\n<li>Es besteht hinsichtlich der Essanf\u00e4lle merkliche Verzweiflung<\/li>\n<li>H\u00e4ufigkeit der Essanf\u00e4lle<\/li>\n<li>Die Essanf\u00e4lle treten im Durchschnitt an mindestens zwei Tagen pro Woche \u00fcber sechs Monate auf<\/li>\n<li>Kein Kompensationsverhalten<\/li>\n<\/ul>\n<p>Die Essanf\u00e4lle sind nicht mit regelm\u00e4\u00dfiger Anwendung unangemessenen Kompensationsverhaltens (z.B. abf\u00fchrende Ma\u00dfnahmen, Fasten, exzessiver Sport) verbunden und treten nicht im Verlauf einer Anorexia nervosa oder Bulimia nervosa auf. F\u00fcr die Diagnose ist eine ausf\u00fchrliche Anamnese erforderlich. Da w\u00e4hrend der Fressattacken \u00fcberwiegend Nahrungsmittel, die kohlenhydrat- und fettreich sind und wenig Vitamine und Mineralstoffe enthalten, verzehrt werden, weisen die Betroffenen h\u00e4ufig Mangelerscheinungen auf<\/p>\n<h3>Symptomatik<\/h3>\n<p>Wie bei Bulimia nervosa sind beim Binge Eating die wiederkehrenden Hei\u00dfhungeranf\u00e4lle das Hauptmerkmal. In den meisten F\u00e4llen verlieren die Betroffenen w\u00e4hrend der Hei\u00dfhungeranf\u00e4lle die Kontrolle. Anders als bei der Bulimie fehlen jedoch entsprechende Kompensationsma\u00dfnahmen wie Erbrechen, Missbrauch von Abf\u00fchrmitteln etc. Wegen der hohen Kalorienanzahl w\u00e4hrend eines solchen Essanfalls entwickeln viele Betroffene daher mit der Zeit \u00dcbergewicht. Sie unterscheiden sich in ihrem Essverhalten jedoch von einem \u201etypischen\u201c \u00dcbergewichtigen.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend sich Adip\u00f6se st\u00e4ndig \u00fcberessen, haben \u00dcbergewichtige mit Binge Eating Disorder \u201enur\u201c mehr oder weniger h\u00e4ufig Fressanf\u00e4lle. Die Anf\u00e4lle sind mit Ekelgef\u00fchl gegen sich selbst, Niedergeschlagenheit, Scham und Schuldgef\u00fchlen verbunden. Oft wird versucht, weitere Essattacken zu unterdr\u00fccken, damit das eigene Essverhalten wieder kontrolliert werden kann. Scheitert dieser Versuch, ziehen sich die Betroffenen h\u00e4ufig zur\u00fcck und leben ihre Essattacken im Verborgenen aus. Sie k\u00f6nnen ihre Sucht h\u00e4ufig vor Familie und Freunden gut verstecken.<\/p>\n<h3>H\u00e4ufigkeit<\/h3>\n<p>Eine in den USA erhobene Untersuchung zeigt, dass etwa 4 % der Bev\u00f6lkerung von der Binge Eating Disorder betroffen sind. Damit ist es die am h\u00e4ufigsten auftretende Essst\u00f6rung. Bei \u00dcbergewichtigen liegt der Anteil bei 5 %, in Gruppen zur Gewichtsreduktion bei 30 %. Anders als bei Anorexie und Bulimie gibt es keine typische Altersgruppe. Etwa ein Drittel der Betroffenen sind M\u00e4nner.<\/p>\n<h3>Ursachen<\/h3>\n<p>Genaue Ursachen sind bisher noch nicht bekannt. Erfahrungen der Basler Universit\u00e4tsklinik zeigen drei Faktoren als m\u00f6gliche Ursachen:<\/p>\n<ul>\n<li>\u00dcbergewicht bereits im Kindesalter<\/li>\n<li>kohlenhydratarme, fettreiche Ern\u00e4hrung<\/li>\n<li>Probleme im Umgang mit Konflikten<\/li>\n<\/ul>\n<p>Au\u00dferdem zeigten Untersuchungen, dass etwa die H\u00e4lfte der Betroffenen schon mal depressiv war. Ob eine Depression Binge Eating verursacht oder ob sie ein Teil der Krankheit ist, ist derzeit noch nicht erforscht. Befragungen von Patienten zeigten, dass negative Gef\u00fchle wie \u00c4rger, Frust etc. Ausl\u00f6ser von Fressattacken sind, d.h. die Essattacken treten h\u00e4ufig in Zeiten nervlicher Belastung auf. Durch das Essen, das allgemein mit positiven Gef\u00fchlen assoziiert wird, sollen die negativen Gef\u00fchle kompensiert werden.<\/p>\n<p>Verschiedene Studien haben ergeben, dass viele Menschen mit emotionalen Schwierigkeiten unf\u00e4hig sind, Hunger von anderen unbehaglichen Gef\u00fchlen zu unterscheiden. Wie auch bei den anderen Essst\u00f6rungen berichten die Betroffenen h\u00e4ufig \u00fcber eine lange andauernde Unzufriedenheit mit der eigenen Figur und eine Vielzahl an Di\u00e4tversuchen. Auch gez\u00fcgeltes Essverhalten, das mit der Zeit aufgegeben wird, gilt als Entstehungsursache. Es besteht die Vermutung, dass mit dem Nachlassen der kognitiven Kontrolle das Essverhalten chaotisiert. Auch bei Binge Eating Disorder haben Modetrends, Schlankheitswahn und der \u00dcberfluss an Nahrungsmitteln bei der Entwicklung der Krankheit einen gro\u00dfen Einfluss.<\/p>\n<h3>Therapie<\/h3>\n<p>Die Behandlung von Binge Eating Disorder hat recht gute Erfolgsaussichten. Die verhaltenstherapeutische Therapie \u00e4hnelt der der Bulimie. Es werden zwei Ziele verfolgt: Normalisierung des Essverhaltens und Behandlung der zugrunde liegenden seelischen Konflikte.\u00a0Die Normalisierung des Essverhaltens soll z.B. durch gemeinsame Eink\u00e4ufe, Kochen und Essen in der Gruppe sowie durch Anleitung zu bewusstem Essen erfolgen.<\/p>\n<p>In den Therapiesitzungen sollen die Betroffenen die Ausl\u00f6ser ihrer Fressattacken kennenlernen und neue Strategien ein\u00fcben, um mit den kritischen Situationen umgehen zu k\u00f6nnen, die bisher Ausl\u00f6ser waren. Um die Stimmungen, Gef\u00fchle und Gewohnheiten, die zu den Attacken f\u00fchren, zu ermitteln, f\u00fchren die Betroffenen Tagebuch. Da Patienten h\u00e4ufig ein gest\u00f6rtes K\u00f6rpererleben haben, sind auch Bewegungstherapie und Sport Bestandteile der Therapie. Eine Di\u00e4t ist nicht im Behandlungsansatz beinhaltet. Versuche der Gewichtsabnahme sollen unterlassen werden, die Regulierung des K\u00f6rpergewichts soll durch die Normalisierung des Essverhaltens erfolgen.<\/p>\n<h3>Der Autor<\/h3>\n<p class=\"info\"><img decoding=\"async\" class=\"alignright wp-image-575 size-medium\" title=\"Abbas Schirmohammadi\" src=\"https:\/\/gesundheitsberatung.com\/psychologie\/wp-content\/uploads\/sites\/2\/Abbas-Schirmohammadi-226x300.jpg\" alt=\"Abbas Schirmohammadi\" width=\"226\" height=\"300\" \/>Abbas Schirmohammadi ist ausgebildeter Heilpraktiker f\u00fcr Psychotherapie, Personality Coach, Psychologischer Management-Trainer und Mediator. Er hat Zusatzausbildungen zum Psychologischen Individual Coach, Entspannungs- therapeut, Kommunikationstrainer, Burnouttherapeut, Sexualtherapeut, Gesundheits- und Wellnesstrainer, in Familienstellen, Klientenzentrierter Gespr\u00e4chsf\u00fchrung und Visualisierter L\u00f6sungsorientierter Psychotherapie. Nach seinem Abitur arbeitete er neben seinem Studium als TV-Moderator &amp; -Kommentator. Im Ausland war er zwei Jahre als Coach &amp; Management-Trainer f\u00fcr internationale Firmen. Zur\u00fcck in Deutschalnd arbeitet er seit 2006 als Personality Coach, Management-Trainer und Mediator, sowie als Dozent und Ausbildungsleiter der Paracelsus Schulen f\u00fcr Naturheilverfahren und der Paracelsus Akademie (seit 2008 in der Gesch\u00e4ftsleitung). Abbas Schirmohammadi ist praktizierender Heilpraktiker f\u00fcr Psychotherapie und Chefredakteur des naturheilkundlichen Magazins &#8220;Paracelsus&#8221;, sowie Autor von 18 Fachb\u00fcchern und 11 CDs.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3>Buch Tipps<\/h3>\n<p><a href=\"http:\/\/www.shaker-media.eu\/de\/content\/bookshop\/index.asp?ISBN=978-3-86858-874-3&amp;ID=2&amp;search=yes\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><strong>Die gro\u00dfe Welt der Freien Psychotherapie von Abbas Schirmohammadi &amp; Dr. Werner Weishaupt<\/strong><\/a> Shaker Media 2012, ISBN 978-3-86858-874-3, 226 Seiten, 28,00 EUR <a href=\"http:\/\/www.shaker-media.eu\/de\/content\/bookshop\/index.asp?ISBN=978-3-86858-838-5&amp;ID=2&amp;search=yes\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><strong>Sch\u00fc\u00dfler-Salze &#8211; Die biochemische Heilweise von Abbas Schirmohammadi &amp; Kian Schirmohammadi<\/strong><\/a> Shaker Media 2012, ISBN 978-3-86858-838-5, 74 Seiten, 10,90 EUR <a href=\"http:\/\/www.shaker-media.eu\/de\/content\/bookshop\/index.asp?ISBN=978-3-86858-712-8&amp;ID=2&amp;search=yes\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><strong>Naturheilkunde &amp; Psychotherapie heute von Abbas Schirmohammadi &amp; Kian Schirmohammadi<\/strong><\/a> Shaker Media 2012, ISBN 978-3-86858-712-8, 154 Seiten, 17,90 EUR<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Essst\u00f6rungen werden zu den Zivilisationskrankheiten gez\u00e4hlt. Eine Essst\u00f6rung wird definiert als Verhaltensst\u00f6rung mit meist ernsthaften und langfristigen Gesundheitssch\u00e4den. Der Betroffene besch\u00e4ftigt sich st\u00e4ndig gedanklich und emotional mit dem Thema \u201eEssen\u201c. Essst\u00f6rungen betreffen die Nahrungsaufnahme oder deren Verweigerung und h\u00e4ngen oft mit psychosozialen St\u00f6rungen oder mit der Einstellung zum eigenen K\u00f6rper zusammen. 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